Das Schülerbuch – Fluch oder Segen?

Das Schülerbuch in seiner ganzen Pracht.

Das Schülerbuch in seiner ganzen Pracht.

Es sollte der neue Marktschlager werden: es ist seit Schuljahresbeginn 2010/2011 auf dem „Clara Schumann-Gymnasium-Markt“ (an der Realschule Waldniel ist es bereits verbreitet), es wird angepriesen, es ist ein Segen, es ist wunderbar, es wurde auch ein Marktschlager.

Ein Kommentar von David-Christian Sixt

Für nur fünf Euro ist das Schülerbuch für jeden ein erzwungenes Schnäppchen… Man kann auf dieses Schnäppchen auch einfach nicht verzichten… Schon allein deshalb nicht, weil man sich ja sonst nirgendwo ein Hausaufgaben – Mitteilungsheft für weniger als fünf Euro beschaffen kann.

Theorie und Praxis

Die Seiten eins bis 25 sind vollgestopft mit Informationen, die man als notwendig empfinden kann oder auch nicht. Man muss sie aber mit der Klasse „besprechen“. Die Schulordnung ist natürlich vertreten, sowie die Telefonnummer der Schule, bzw. des Sekretariats. Diese Nummer scheint aber von großer Bedeutsamkeit zu sein. Sie ist nämlich viermal im Schülerbuch abgedruckt. Man könnte sie ja vergessen. Auch die Entschuldigungsseiten sind häufig vertreten. So darf man sich doch tatsächlich 18mal entschuldigen lassen. Man könnte meinen, dass es nicht erwünscht ist, dass man zur Schule kommt. Die Verhaltensregeln im Sportunterricht dürfen nicht fehlen, sowie die Brandschutzvorkehrungen und die Verhaltensregeln bei einem Gefahrenfall. Ich glaube nicht, dass ein Schüler in einem Brand- oder Gefahrenfall sein Buch aufschlägt, um nach zuschauen, was er zu tun hat. Jedoch ist das Lesen dieser Seiten in einer „Freistunde“ manchmal sehr amüsant… Auf Seite 31 müssen Eltern, sowie Schüler als auch der jeweilige Klassenlehrer unterschreiben, dass man sich an die Regeln hält. Das Schülerbuch ist für alle Klassenstufen als Unterstützung bezeichnet worden. Es soll die Selbstständigkeit eines jeden Schülers, denn jeder Schüler ist ja der Schule ans Herz gewachsen, fördern. Die Selbstständigkeit wird also durch Verpflichtung und scheinbare Möglichkeiten gefördert.

Die Schüler sollen ihre Hausaufgaben in dieses Verselbstständigungsheft eintragen und somit auch ihren Tag sinnvoll und selbständig planen, wobei erwartet wird, dass die Eltern ihre Kinder bei selbständiger Führung ihres Heftes soweit wie möglich unterstützen. Außerdem sollen auch private Dinge eingetragen werden, wie zum Beispiel die „persönliche Notenübersicht“.

Die ganz persönlichen Dinge - Notenübersicht

Die Lehrer sollen den Kontakt über das Schülerbuch zu den Eltern stärken, falls er überhaupt vorhanden ist. Ein Lehrer hat deswegen die Möglichkeit, folgende Dinge „einzutragen“: „Lob, Kritik, Mitteilungen, Notizen; Verspätet zum Unterricht erschienen; Unterrichtsstörung im Fach; Übertretung der Schulordnung; und Ohne Hausaufgaben (ohne Hausaufgaben/unvollständig oder unzureichende Hausaufgaben)“. Das bedeutet, dass Lehrer keine große Möglichkeit haben, etwas Positives über den Schüler aufzuschreiben. Das nennt man dann Kontakt oder Kommunikation. Wenn dann bei verspätet zum Unterricht erschienen zwei Minuten eingetragen werden, der Lehrer aber erst 30 Sekunden vorher eingetroffen ist, fällt es manchmal schwer, dies ernst zu nehmen. Die Eltern und Schüler haben dann die Bemerkungen vom Lehrer trotzdem zu akzeptieren und müssen es gegenzeichnen. Falls diese Unterschrift fehlt, wird der Schüler ins Klassenbuch eingetragen. Ebenfalls wird er eingetragen, wenn er das Schülerbuch aus unerfindlichen Gründen nicht vorzeigen kann. Bei drei Einträgen dieser Art ins Klassenbuch, sollte als Sanktionsregelung eine Disziplinarkonferenz einberufen werden, bei der Eltern, sowie Lehrer anwesend sein müssen.

Hausaufgabenseite und Wochenübersicht

Fiktion und Realität

Pure Empörung, man höre und staune. Was die größte Empörung hervorruft, ist, dass bei dem Entschluss, das Schülerbuch einzuführen, ersichtlich niemand befragt wurde. Es gab eine Schulkonferenz, in der zehn Lehrer, fünf Schüler und fünf Eltern vertreten waren. Aus dieser Konstellation lässt sich also schließen, dass das Lehrerkollegium eindeutig in der Mehrheit war. Natürlich, das Kollegium muss sich auch damit herum schlagen, vielleicht sogar mehr als andere Beteiligte. Auch das Lehrerkollegium hat stark damit zu kämpfen. Die Lehrer haben viel mehr Stress und komischerweise ist das Klassenbuch seit Einführung des Schülerbuches viel gefüllter mit Einträgen, wie es wohl dazu kommt…?! Rätselhaft. Vielleicht liegt es daran, dass, bevor man das Schülerbuch hatte, man es auch nicht vergessen konnte, dies konnte dann auch nicht eingetragen werden und man glaubt es kaum, es gab weniger Einträge. Es scheint also einen Teufelskreis zu geben, der sich eigentlich leicht auflösen ließe. Mittlerweile gibt es jedenfalls in Klassen Rekordjagden, wer die meisten Schülerbucheinträge bisher kassiert hat. Manche Oberstufen-schüler haben ihr Schülerbuch überhaupt nicht mehr dabei, oder sie haben’s, tragen aber ihre Hausaufgaben nicht ein. Somit wird das Schülerbuch überhaupt nicht ernst genommen. Die Lehrer müssen sich trotzdem bemühen, die Sache insofern ernst zu nehmen, als dass sie weiterhin ihren Job machen und tapfer eintragen… Eigentlich sind nicht viele Leute in den oberen Stufen (Mittel- und Oberstufe) zufriedener oder bereicherter geworden seit Einführung des Schülerbuches. Selbst die Lehrer tun sich schwer. Es gibt viele Kommentare über das Schülerbuch, eben auch viele von Lehrern, die es zum Teil sehr locker nehmen und zum Teil sehr ernst. Es wird dann oft gesagt, dass man doch bitte ein wenig aufpassen soll, weil man doch sonst einen Eintrag in das Schülerbuch bekommt, welches man toll finden soll. Oder man soll einen Eintrag ins Schülerbuch bekommen, dass man es vergessen hat… Dass das Schülerbuch dann nicht wirklich ernst genommen wird, ist meiner Meinung nach nicht sonderlich erstaunlich. Es wird einem aber auch jeder Spaß verdorben, weil man die Seiten weder ein wenig anmalen, oder verzieren darf; im Sinne von reißerischer Gestaltung. Außerdem wird das Schülerbuch von manchen Eltern für die nächsten Wochen, bzw. für die nächsten Monate einfach vorunterschrieben, um Einträge zu verhindern. Man nennt so etwas auch vorausschauend. Es sind aber auch Klarheiten durch dieses Schülerbuch zum Vorschein gekommen, z.B., dass man sich im Sekretariat abmelden muss, wenn man krank ist. Doch jetzt gibt es ja zum guten Glück dieses Buch, sodass wir auch endlich klar wissen, wie die Telefonnummer des Sekretariats lautet. Folglich ist das Schülerbuch dem Gespött der ganzen Schule ausgesetzt. Man könnte jetzt das Schülerbuch, aber eben auch die Schule bemitleiden, die sich diesen Stress antun muss.

Ich verstehe bei der ganzen Sache nicht, warum sich die Lehrer selber so einen Stress machen. Nun müssen alle Klassenlehrer jede Woche die Schülerbücher unterschreiben, das wäre mir viel zu anstrengend, gut manche freuen sich vielleicht auch über ein Autogramm von ihrem Klassenlehrer, aber ob das erstrebenswert ist im Leben?-Muss jeder selber wissen.

Fazit nach einem Jahr Schülerbuch

Nach einem Jahr Schülerbuch am CSG in Dülken lässt sich zumindest eines mit Sicherheit sagen: wir haben es überlebt. Ich denke aber, dass es uns schon auf eine kleine Probe gestellet hat. Das Verhätlnis zwischen Lehrern und Schülern hat sich sicher nicht in jeder Klasse positiv verändert.

Ich denke, dass ein solches Schülerbuch für die Sekundarstufe I am sinnvollsten wäre, da man dort die Selbstständigkeit am besten lehren kann. Hingegen ist es in der Oberstufe überflüssig und nicht angebracht, da dort schon die nötige Selbstständigkeit vorhanden sein sollte. Es kann ja trotzdem das Angebot bestehen, für den, der auch in höheren Klassenstufen ein solches Buch haben möchte. Ich denke aber auch, dass man das Ganze ein wenig auflockern muss, um zu erreichen, dass die Schüler es so akzeptieren, wie es gewünscht wird.

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